Schiedsrichter-Anwärterlehrgang

Kreisfußballverband Ostholstein im Schleswig-Holsteinischen Fußballverband e.V.
Schiedsrichter-Anwärterlehrgang 2014

Kap. 01 - Anforderungen an den Schiedsrichter

Welche Voraussetzungen muss der SR mitbringen?
Hier müssen sehr gute Regelkenntnis, gute körperliche Verfassung, Charakterstärke, Mut, Entschlossenheit, Pflichtbewusstsein, Menschenkenntnis, Kritikfähigkeit, Konzentrationsfähigkeit und noch vieles andere mehr in richtigem Maße zusammenwirken.
Da aber alle diese Eigenschaften sehr selten in einem Menschen in gleichem Maße vereint und ausgeprägt sind, gilt es für jeden SR, bestrebt zu sein, sich ständig zu verbessern, Erfahrungen zu sammeln, diese dann auszuwerten, seine Fehler zu erkennen und dann aus diesen für die Zukunft zu lernen.
Dieser ständige Lernprozess wird den SR positiv beeinflussen, sowohl in der weiteren Ausübung seines SR-Amtes als auch in seinem privaten oder beruflichen Leben, da die o.g. Eigenschaften - auch auf diese Lebensbereiche übertragen - einen positiven Einfluss auf den Menschen “SR“ haben werden.

1. Selbstverständliche Voraussetzung zur Erfüllung des SR-Amtes ist eine sehr gute Regelkenntnis.
Ohne ausreichende Regelfestigkeit wird ein SR Fehlentscheidungen treffen; jedoch soll es nicht heißen, dass ein SR mit hervorragenden Regelkenntnissen nicht auch Fehler begehen kann, denn schließlich kann sich jeder Mensch irren.
Ausreichende Regelfestigkeit erlangt der SR nur durch regelmäßiges Zusammenwirken zw. Theorie und Praxis, d.h., regelmäßiger Besuch der Lehrabende, Lesen/Studieren des Regelheftes und der SR-Zeitungen, sowie der Umsetzung des Erlernten, Gehörten und Geschriebenen in den Spielleitungen (egal, ob in Erwachsenen-Punktspielen oder „nur“ in Jugend-Freundschaftsspielen).

2. Eine weitere Voraussetzung ist die gute körperliche Verfassung des SR, wobei der Schwerpunkt auf der Ausdauer liegen muss.
Aber er muss auch über die notwendige Schnelligkeit verfügen, die es ihm erlaubt, stets am Brennpunkt des Geschehens zu sein, um alle Spielvorgänge aus der Nähe und aus bestem Blickwinkel beurteilen zu können.
Das Rückwärts- und Seitwärtslaufen, die vielen Stopps, Drehungen und Wendungen verlangen außerdem eine ausgewogene Beherrschung des Körpers in jeder Situation.
Ohne diese körperliche Fitness wird der SR sich öfter in ungünstigen Positionen zum Spielgeschehen befinden und als Folge daraus Fehlentscheidungen treffen, die vermeidbar gewesen wären.

Eine schlechte körperliche Verfassung wird von den Beteiligten (Spielern, Trainern, Zuschauern, ...) sofort erkannt und bietet diesen Personen dann die erste Angriffsfläche
gegen den SR. Dies muss und darf nicht sein. Außerdem hat eine körperliche Ermüdung auch mit Sicherheit eine geistige Ermüdung zur Folge. Die Reaktionsfähigkeit vermindert sich und Fehlentscheidungen sind die Folge.

3. Charakterstärke heißt u.a. ausgeprägter Gerechtigkeitssinn.
Ohne diesen Gerechtigkeitssinn kann kein SR seine Aufgabe, unparteiisch gegen alle Beteiligten und in jeder Situation zu entscheiden, nicht lösen.
Dieser Sinn für Gerechtigkeit muss von vornherein vom SR mitgebracht werden, da es sehr schwer ist, diese Eigenschaft noch nachträglich zu erwerben.
Der Lehrstab und SR-Ausschuss können hierzu immer nur wieder anhand von Fällen aus der Praxis darauf hinweisen, dass Gerechtigkeit oberstes Gebot sein muss.
Zum notwendigen Gerechtigkeitssinn gehören ein hohes Maß an Korrektheit und Unvoreingenommenheit. Dies betrifft persönliche Strafen in gleichem Maße wie spieltechnische Entscheidungen.
Ein SR, der einmal eine Kompromissentscheidung getroffen hat, wird im weiteren Verlauf des Spieles bestimmt des Öfteren in die Verlegenheit geraten, weitere Kompromisse eingehen zu müssen. Ein SR, der immer Kompromisse sucht, ist sicher für das SR-Amt nicht geeignet.

4. Eine ganz entscheidende Eigenschaft darf nicht fehlen - der Mut.
Der SR darf vor einem notwendigen Feldverweis nicht zurückschrecken, nur weil er die Auswirkungen auf das weitere Spielgeschehen und auf seine persönliche Sicherheit fürchtet. Ebenso darf der SR einen vielleicht spielentscheidenden Strafstoß für die Gastmannschaft nicht verweigern oder den Ort des Vergehens nach außerhalb verlegen.
Fehlender Mut wird von den Beteiligten ebenso schnell erkannt und ausgenutzt; das Vertrauen in die Persönlichkeit des SR geht verloren, womit der SR dann auch für den
weiteren Spielverlauf „verloren“ hat.

5. Kritikfähigkeit macht den SR stark.
Der SR steht im Mittelpunkt des Geschehens. Wer aber in der Öffentlichkeit eine Aufgabe übernimmt, muss mit Kritik rechnen und lernen, damit umzugehen.
Wer keine Kritik vertragen kann, ist als SR fehl am Platze. Erschwerend kommt hinzu, dass die Kritik der Beteiligten oft unsachlich, vulgär und
beleidigend ist (reklamierende Spieler, brüllende Zuschauer, protestierende Vereinsfunktionäre,...). Dies muss vom SR unbeeindruckt weggesteckt werden.

6. Erschwerend kommt hinzu, dass der SR es mit völlig verschiedenen Spielerpersönlichkeiten und menschlichen Charakteren zu tun hat.
Keine zwei Spieler gleichen sich in ihrer Spielart und Spielauffassung, in ihren Reaktionen und in ihren Verhaltensweisen.
Hier ist die Menschenkenntnis des SR gefragt. Je früher es dem SR gelingt, sich auf die verschiedenen Spieler einzustellen, umso sicherer wird seine Spielleitung sein.

7. Auch in hektischen Spielsituationen muss der SR ruhig bleiben und darf seine Sicherheit nicht verlieren.
Somit kommt zur hohen physischen Belastung noch die psychische Leistung und Anstrengung, d.h., die erhöhte Konzentration und innere Aufgeschlossenheit.
Der SR ist während des Spieles ständigen Einflüssen und Konfliktsituationen ausgesetzt, die an seiner nervlichen und seelischen Substanz zehren.
Der SR muss erkennen, wann ein günstiger Zeitpunkt zum Entspannen ist und wann es gilt, höchste Konzentration walten zu lassen.
Er muss somit über die Übersicht verfügen, manche Dinge vorauszuahnen. Er muss nicht nur das aufnehmen, was sich gerade abspielt, sondern muss auch das
vorausahnen, was in einer der nächsten Spielphase geschehen könnte.

Schlussbemerkung:
Es handelt sich sicherlich hierbei nicht um eine vollständige Auflistung der notwendigen Eigenschaften und Voraussetzungen eines guten SR, jedoch sind es die wichtigsten
Merkmale, die einen guten und anerkannten SR ausmachen.
Wer sich und seine Persönlichkeit in diesen Ausführungen wiederfindet und/oder wer bereit ist, an diesen Eigenschaften und Voraussetzungen für sich zu arbeiten, der hat mit dem Schiedsrichteramt das richtige Hobby gewählt.

Diese Internetseite benutzt Cookies. Um diese Internetseite nutzen zu können, müssen Sie diese Nutzung genehmigen. Weitere Informationen finden Sie in unser Datenschutzerklärung.

Ich akzeptiere Cookies von dieser Seite.

EU Cookie Directive Module Information